Man muss auch mal NEIN sagen können!
Erneut Stellenabbau bei Siemens

Erlanger Rot - Ausgabe 6/2018Im November 2017 der Paukenschlag:

Der Vorstand der Siemens AG kündigt die Vernichtung von 7000 Arbeitsplätzen weltweit sowie die Schließung mehrerer Standorte an. Betroffen ist die Kraftwerkssparte, allein in Deutschland 3400 Arbeitsplätze, die Standorte Görlitz, Leipzig und Offenbach sollen geschlossen werden, in Erfurt stehe man vor Verkaufsverhandlungen.

Im September 2018 nun der vorläufige Schlussakkord:

Nach zähen Verhandlungen zwischen Firmenleitung, Gesamt-Betriebsrat und IG Metall, die weitgehend hinter verschlossenen Türen stattfanden, wird kein Standort geschlossen, der Stellenabbau konnte für Deutschland auf 2900 gesenkt werden. In Erlangen sollen insgesamt 505 Arbeitsplätze vernichtet werden, und zwar im Betrieb Erlangen Süd. Dank IG Metall können sich Kolleginnen und Kollegen aber weiter darauf verlassen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt.

Der Abbau soll über Altersteilzeit, Abfindungsangebote und Job-Börsen erfolgen.

Als Begründung für den Kahlschlag nannte die Firmenleitung stets die schlechte Auftragslage im Kraftwerksbau. Dem Gejammer der Bosse stehen allerdings schwarze Zahlen entgegen: 11 Milliarden Euro Netto-Gewinn seit 2012! 11 Milliarden Euro netto in sieben fetten Jahren, die allein in den betroffenen Bereichen PG (Power Generation, also Kraftwerksbau und Turbinen) sowie PD (Process Industries and Drives, also elektrische Antriebe für die Industrie) erwirtschaftet wurden. Über die Hälfte der Gewinne wird Jahr für Jahr, so hat es der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser bei Amtsübernahme versprochen, als Rendite an Grossaktionäre, Hedge-Fonds und andere Spekulanten überwiesen. Aber wo ist eigentlich der Rest des Geldes geblieben? Auf diese Frage hat das Top-Management keine Antwort. Klar ist nur, dass für die anstehende Energiewende weder bei Solar noch bei Wind, weder in der Maschineneffizienz noch in Batterielösungen nennenswerte Investitionen erfolgten. Die Bosse haben´s vergeigt, und nun sollen die Beschäftigten die Zeche zahlen. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, verkündete Joe Kaeser auf einer Analystenkonferenz Anfang September, dass künftig bis zu 60 % der Gewinne an die Aktionäre überwiesen werden. Das sind - stabile Erträge vorausgesetzt - jährlich etwa 500 Millionen Euro mehr an "leistungslosem Grundeinkommen" für die Shareholder. Und damit reden wir über genau den Betrag, den die Siemens AG mit dem aktuellen Stellenabbau im Kraftwerksbereich einsparen möchte. Zufall?

Arbeit ist derzeit auch im fossilen Kraftwerksbau noch vorhanden, viele Kolleginnen und Kollegen klagen über Mehrarbeit und Überlast. Notwendig ist zudem der Aufbau von Arbeitsplätzen im Bereich Maschineneffizienz, um den Stromverbrauch zu reduzieren, im Bereich alternativer Energie-Erzeugung und beim Netzausbau europaweit und Kontinente überschreitend. Arbeit ist also vorhanden und wird es auch künftig sein. Dass wir anders und vor allem auch kürzer arbeiten wollen und können, muss in Zukunft viel stärker berücksichtigt werden. Da ist es gut, dass die IG Metall und andere Gewerkschaften den Einstieg in weitere Arbeitszeitverkürzung gefunden haben.

Wenn es nach dem Management der Siemens AG geht, soll diese Arbeit künftig aber woanders erledigt werden, außerhalb der Siemens AG und weltweit - Hauptsache nicht mehr im Flächentarif der IG Metall und sozial abgesichert über Betriebsräte und Sozialgesetze. Die meisten der Arbeitsplätze werden woanders wieder auferstehen: prekär, befristet, weit unter Tariflohn oder in Leiharbeit. Zerstörung der Innovations- und Fertigungskapazitäten im Energiebereich bei gleichzeitiger Prekarisierung der Arbeitsplätze?

Dieser Plan der Bosse muss durchkreuzt werden! Wir müssen weiter um jeden Arbeitsplatz kämpfen: Wir müssen endlich mal Nein sagen - zum Stellenabbau.

isp

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