Ver.di-Tarifrunde
Interview mit Roland Hornauer

Welche Aktionen habt Ihr zur Tarifrunde durchgefürt?

Roland HornauerWir hatten seit längeren gezielt zur Tarifrunde mobilisiert. Am 21.2. gab es die erste öffentlichen Aktionen. Eine Mittagspausen- und eine Feierabendbieraktion.

Rund 300 Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich am 16.3. am ganztägigen Warnstreik. Eine Demo führte vom Bauhof zum Marktplatz. Dort fand eine kurze Kundgebung statt. Wir haben in Mittelfranken als eine der ersten ganztägig gestreikt und dies bei einen kurzfristigen Aufruf.

Eine noch stärkere Beteiligung war dann am 11.4. zu verzeichnen. Geschätzte 500 Erlanger waren bei der Nürnberger Großkundgebung. Geschätzt deshalb, weil viele sich direkt nach Nürnberg aufmachten (beispielsweise alle KollegInnen die in Nürnberg wohnen). Bemerkenswert erstmals sorgte der Streik dafür, dass am Erlanger Schlachthof nicht geschlachtet werden konnte. Toll, dass bei jeder Streikaktion neue Bereiche mitmachen und Kolleginnen und Kollegen zum ersten Mal in ihrem Leben gestreikt haben. Insgesamt haben am 11.4. über 700 Kolleginnen und Kollegen ganztägig gestreikt, viele sind aber nicht nach Nürnberg gefahren, sondern sind in Erlangen geblieben. Der Bauhof blieb geschlossen und nur eine Einrichtung des Jugendamtes hatte offen

Wie war die Stimmung?

Erlanger Rot - Ausgabe 3/2018Die Beschäftigten waren stinkig, weil die Arbeitgeber in 2 Verhandlungsrunden nichts angeboten hatten.

Ihr habt unter anderen 6 % mindestens 200 Euro gefordert, wie bewertet ihr das Ergebnis?

Den Mindestbetrag konnten wir nicht durchsetzen. Dafür konnten wir erhebliche Verbesserungen in der Entgelttabelle durchsetzen, gerade bei den untersten Entgeltgruppen und für Berufsanfänger. Auch die Einmalzahlung bis der Entgeltgruppe 6 in Höhe von 250 Euro ist eine kleine aber merkbare soziale Komponente. Die neue Tabelle passt, da sind die Kolleginnen und Kollegen zufrieden. Ohne Leermonate bekommen alle ab 1.3.2018 mindestens 75 Euro mehr, zum 1.4.2019 gibt es noch mal mindestens 75 Euro mehr und ab 1.3.2020 mindestens weitere 27 Euro mehr. Ich habe die Beträge leicht aufgerundet, aber unter dem Strich werden alle Gehälter bis 1.3.2020 um mindestens 175 Euro tabellenwirksam angehoben, das ist schon eine Hausnummer. Überdurchschnittlich fallen auch die Verbesserungen bei den Azubis aus. 100 € mehr in zwei Schritten (rückwirkend ab 1. März 2018 plus 50 € und ab 1. März 2019 weitere 50 € im Monat mehr), 30 Tage Urlaub und die Übernahmeregelung wird weitergeführt.

Dein Fazit?

Gewerkschaft lohnt sich. Ein Beispiel, der Gewerkschaftsbeitrag in EG 9a Stufe 4 von 35,46 € erbringt bis1.3.2020 einen monatlichen Zuwachs von 237,65 €, dies ist eine traumhafte Rendite. Anspruch auf die Verbesserungen haben nur Gewerkschaftsmitglieder. Deshalb der Appell an alle Nochnichtmitglieder, werdet Mitglied bei ver.di. Ohne ver.di hätte es in dieser Tarifrunde keine wirkungsvollen Aktionen gegeben. Diese Aktionen kosten Geld und deshalb braucht ver.di treue Mitglieder, die mit ihren Beiträgen die Aktionen ermöglichen!

Ein gutes Ergebnis durch eindrucksvolle
Streiktage und Geschlossenheit erreicht!

Am 17. April wurde für die für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen in der dritten Verhandlungsrunde ein Ergebnis erzielt: Im Durchschnitt 7,5 % Lohnerhöhung bei 30 Monaten Laufzeit, darauf haben sich die Tarifvertragsparteien verständigt. Ver.di-Vorsitzender Bsirske sprach vom "besten Ergebnis seit vielen Jahren".

Wie Frank Bsirske weiter sagt, habe man hohe Zuwächse in den Bereichen vereinbaren können, in denen der öffentliche Dienst die größten Personalgewinnungsprobleme auf dem Arbeitsmarkt hat: Bei Fach- und Führungskräften, Technikern, Ingenieuren, IT-Fachleuten und bei den sozialen Berufen.

Für Beschäftigte in den unteren und mittleren Entgeltgruppen sei es, so der ver.di-Vorsitzende weiter, gelungen, einen deutlichen Sprung nach oben zu sichern. Außerdem gibt es 100 Euro mehr an Ausbildungsvergütung und eine Anhebung der Löhne um durchschnittlich 10 Prozent bei Beschäftigungsbeginn.

Bsirske: "Dies erhöht die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber. Das ist wichtig, weil alle Bürgerinnen und Bürger auf einen funktionsfähigen öffentlichen Dienst angewiesen sind."

Jetzt sind die ver.di-Mitglieder gefragt

Die ver.di-Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst hat die Annahme des Verhandlungsergebnisses beschlossen. In den nächsten Wochen werden die ver.di-Mitglieder in den Betrieben die Möglichkeit haben, das Tarifergebnis, das nur durch massive Warnstreiks erzielt werden konnte, zu beurteilen und ihr Votum dazu abzugeben. - Solche Mitgliederbefragungen haben bei ver.di inzwischen eine gute Tradition.

Beigetragen zu dem Ergebnis haben die eindrucksvollen Warnstreiks im ganzen Land, die tagelang die Nachrichten beherrschten. Die Kolleginnen und Kollegen bestreikten an mehreren Tagen zum Beispiel Flughäfen. Die Warnstreiks von 220.000 Beschäftigten in den Tagen vor der dritten Verhandlungsrunde haben in einer geballten, großangelegten Breite dazu beigetragen, dass der Durchbruch erzielt werden konnte.

Kritisch gesehen werden muß beim Ergebnis trotzdem, daß die zentrale Forderung der Durchsetzung von einer ausreichenden sozialen Komponente - ver.di forderte einen Sockelbetrag in Höhe von 200 Euro - wieder einmal auf der Strecke blieb und nicht durchgesetzt werden konnte.

In Erlangen haben sich viele Beschäftige bei Warnstreikaktionen vor Ort - und beim zentralen Warnstreiktag in Nürnberg (mit 700 Kolleginnen und Kollegen) beteiligt.

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